Premiere

Neu im Spielplan

2009 – “Friedrich der Weise und die unbekannte Frau an seiner Seite”

Die unterhaltsame historische Revue um den Kurfürsten beleuchtet seine Vergnügungen, seine Politik, die Gründung der Universität Leucorea, die Schlossneu- und umbauten in Wittenberg, Jessen, Torgau und Lochau (Annaburg) sowie seine Rolle als Beschützer von Martin Luther, aber besonders die Beziehung zu Anna Weller von Molsdorf und ihren gemeinsamen Kindern.

Im Theater für lebendige Geschichte, unserem „Kursächsischen Bilderbogen“, tritt der zu Unrecht „touristisch unterbelichtete“ Kurfürst Friedrich der Weise (1463-1525) auf. Den Rahmen bildet ein Video, das an den obigen Originalschauplätzen produziert wurde. Es ist eine Zeitreise durch die Renaissance beim Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit.

 
 
 

Friedrichs Wirken

“Nach 500 Jahren steht fest, dass Friedrich eine wichtige Rolle in der deutschen Geschichte spielte, auch wenn sich “der Fuchs von Sachsen” frühzeitig aus dem Königsdienst zurückzog. Er war der klassische Zivilist: “Friedrich wurde ich genannt, hielt Frieden im ganzen Land”. Die Macht seines Territoriums auszubreiten, ist ihm nicht beschieden gewesen, stattdessen hatte er die Folgen der Leipziger Teilung Sachsens zwischen seinem Vater Ernst und seinem Onkel Albert zu tragen. Der Hofnarr Claus kommentierte diesen Vorgang, indem er einen wertvollen Mantel in zwei Teile zerriss und sagte, das sei genauso vernünftig.

Was den Wettiner Friedrich III. noch heute zu den bekanntesten Persönlichkeiten der Geschichte zählen lässt, ist der entscheidende Anteil, den er in seinen letzten Lebensjahren an der beginnenden Reformation hatte. Es ist bezeichnend für ihn, dass seine Teilhabe an dem “Fall Luther” im Wesentlichen darin bestand, dass er teilnahmsvoll gewähren ließ. Diese aktive Passivität aber war bedingt durch seine zurückhaltende Klugheit, die Friedrich zu Recht den Ehrennamen “Der Weise” eintrug.

rainergohde©2009

 

2008 – “Die amerikanische Päpstin” von Esther Vilar

“Die Antrittsrede der amerikanischen Päpstin” ist eines der bedeutensten literarischen Werke des 20. Jahrhunderts. Es wirbt mit größtmöglicher Überzeugungskraft für die Toleranz und die Versöhnung zwischen Gläubigen und Ungläubigen, zwischen Herrschern und Beherrschten, zwischen Starken und Schwachen, zwischen Reichen und Armen, zwischen Frauen und Männern, zwischen Vorbildern und Mitläufern oder allgemein zwischen Menschen, die entgegengesetzten Lagern angehören. Für dieses Stück sollte Frau Esther Vilar den Friedensnobelpreis erhalten.

 

Zum Inhalt: Im Theaterstück “Die amerikanische Päpstin” von Esther Vilar werden die Zuschauer von Beginn an Teil des Publikums eines Fernsehinterviews, in dem sich die neugewählte Päpstin vor der offiziellen Amtsübernahme vorstellt.

2017 ist von der Strenge der katholischen Kirche nicht mehr viel übrig geblieben: Der Papst regiert nicht mehr auf Lebenszeit, sondern wird auf vier Jahre von allen Gläubigen gewählt, gleichgeschlechtliche Ehen, kirchliche Scheidungen und Abtreibungen sind erlaubt, das Zölibat wurde abgeschafft und die Besitztümer der Kirche auf Massenauktionen versteigert. Aus den Slums von Los Angeles stammend steht die erste Frau im höchsten Amt der katholischen Kirche einer Kirchengemeinde gegenüber, in der die Beichte abgeschafft wurde und der gekreuzigte Jesus Christus aus psychologischen Gründen einem Rocker mit Dornenkranz weichen musste. Über die Jahre hinweg haben sich die Päpste in Sachen Demut und Bescheidenheit ständig den Rang abgelaufen, den frommen Christen immer mehr Freiheiten eingeräumt.

In ihrem Resümee über die Entwicklung der katholischen Kirche sieht die “amerikanische Päpstin” darin den Grund für den steigenden Mitgliederschwund: In seiner uneingeschränkten Selbstverantwortung ist der Mensch orientierungslos geworden und sucht deswegen die Autorität von radikalen Parteien und Sekten. Statt zur erlösenden Beichte geht man jetzt zum Psychiater.

Ihre Lösung aus der Krise: Die Kirche muss zu alten Werten zurückfinden, abgeschaffte Rituale wieder eingeführt werden. Es müssen wieder sinnstiftende Grundsätze bestehen, an denen der Mensch Halt findet und sich orientieren kann.

 

2008 – “Zarah Leander – Ein einsamer Geburtstag”

Singende Schauspielerin

Einsamer Geburtstag einer Diva – Musicalsolo im Kurtheater

 

“Erfolgreiche Premiere im Festsaal des Bad Schmiedeberger Kurhauses: Ilona Knobbe präsentierte am vergangenen Sonntag sich – ganz anders, als gewohnt – als singende Schauspielerin in dem Einpersonenstück “Zarah Leander – Ein einsamer Geburtstag”. Das Kurtheater Bad Schmiedeberg hatte – trotz Fußball-EM – ein zahlreiches Publikum, das mit einer künstlerisch vielschichtigen und interessant ausgestatteten Inszenierung in der Regie von Rainer Gohde belohnt wurde.

Ansatz für das Stück ist nicht die vordergründige Bekanntheit des einstigen schwedischen UFA-Stars mit der tiefen erotischen Altstimme, eine Bekanntheit, die durchaus die Generationen der Gegenwart erreicht. Ilona Knobbe gibt einer Zarah Leander Gestalt und Stimme, die sich als “unpolitische” Diva begreift, obwohl sie Zutritt zum inneren Zirkel der Mächtigen der Nazi-Ära hatte. An einem ihrer Geburtstage sitzt sie mutterseelenallein in Schweden auf ihrem stattlichen Landgut in Lönö, 1939 erworben mit den Schwedenkronen, die ihr Goebbels Paladine für ihre Filme und Konzerte gezahlt haben. Keiner ist da, ihr zu gratulieren, niemand ruft an. Die arbeitslose Leander ist nach dem Krieg eine Unperson. Fehlende Gratulanten werden durch Erinnerungen ersetzt, Erinnerungen kollidieren mit der Lebenslüge über die eigene umjubelte Rolle, die sie im Dienste der Nazis gespielt hat.

Ilona Knobbe führt diesen Monolog über Kunst und Künstler, über Schein und Sein intelligent, nachdenklich – und mit der charakteristisch tiefen Stimmlage der Diva. Sie setzt sarkastische, oft sogar bittere Akzente, unterstrichen durch die von ihr faszinierend interpretierten Leander-Lieder und -Schlager (Klavierbegleitung: Nico Hollmann). Und sie vermag die fehlende Einsicht der Künstlerin in eigene Schuld überzeugend darzustellen. Dabei wird an legendäre Filme, Tourneen und Konzerte erinnert, die Zarah Leander – bei aller Ambivalenz – zu einem gefeierten Star des Kinos und der Unterhaltung im 20. Jahrhundert gemacht haben. Der lang anhaltende Premierenbeifall und viele Vorhänge zeigten, dass das Kurtheater Bad Schmiedeberg mit dieser Aufführung den Nerv des Publikums getroffen hat.”

Klaus Linke

 

Dazu ein Presseartikel der Mitteldeutsche Zeitung vom 11. Juni 2008:

 
Zarah Leander   Pressetext Mz 1
 

2007 – “Goethens Kurschatten”

Ein vergnügliches Kabinettstück für die Schauspieler des Kurtheaters Ilona Knobbe (Szymanowska) und Rainer Gohde (von Gentz).

Intrigenspiel um Goethes letzte Liebe:

“Hat Goethe einen “Kurschatten”? […] Der Geheimrat von Goethe (74) weilt zum Kuren in Marienbad und hat ein Auge auf Ulrike von Levetzow (19) geworfen. Um den “Dichterfürsten” durch seine Leidenschaft lächerlich zu machen, versuchte der österreichische Außenminister Friedrich von Gentz (59) von Wien aus eine Intrige. In der Pianistin Maria Szymanowska (38), die in unserem Kurbad konzertierte, fand er eine rührige Komplizin. Aber statt des beabsichtigten Skandals entstand der Gedichtband “Marienbader Elegien” aus der Feder unser Weimarer Genies.”

Kur-Zeitung Marienbad von 1823

 

Dazu ein Presseartikel der Mitteldeutschen Zeitung vom 18. August 2007:

 
 

2007 – “Chronik des Kurtheaters” von Klaus und Monika Linke

 

2006 – “WAM” W(olfgang) A(madé) M(ozart)

“Mozart ist für mich, unabhängig vom Jubiläum seines 250. Geburtstages, immer ein Thema. Als Musikdramaturg setze ich mich mit seiner Musik ständig auseinander. Ich schreibe über seine Sinfonien Artikel für Programmhefte, arbeitete in verschiedenen Regieteams mit, so u.a. in Leipzig bei “Idomeneo”, in Wittenberg bei “Don Giovanni” und zuletzt in Flensburg bei der “Entführung aus dem Serail” und bei der “Hochzeit des Figaro”. Demnächst steht die “Zauberflöte” auf meinem Arbeitsplan.

Da entsteht natürlich auch ein Interesse an dem Menschen Mozart. Was hat er gedacht über die Welt, in der er lebte, über die Frauen, die für ihn wichtig waren, über den ihn prägenden, fördernden und einengenden Vater? Will ich solche und andere Fragen einigermaßen seriös und zugleich spannend beantworten, muss ich seine Briefe, er schrieb sehr viele und aussagekräftige, lesen.

Ich habe sie gelesen und meinem Stück zugrunde gelegt. Alles, was die beiden Mozarts in meiner kleinen Fantasie äußern, ist belegt. Ich nahm mir nur die Freiheit, ihre Sprache in unser Heute zu transportieren. Die Begegnung, die in dieser Form erfunden ist, Leopold Mozart besuchte Sohn und Schwiegertochter nur einmal in Wien, komprimiert Mozarts Denken und Fühlen, zeigt ihn von Seiten, die nicht so bekannt sind. Dass er zum Beispiel selbst Stücke schrieb, sie blieben Fragmente, ist so eine Seite.

Folgen Sie mir in das Wien von 1791 zu Mozart. Er sitzt allein in seiner Wohnung, das Alleinsein war übrigens für ihn die Ausnahme, er liebte turbulente Gesellschaften, improvisiert auf dem Klavier, um sich musikalischen Vorrat zu schaffen, da steht plötzlich sein Vater Leopold neben ihm und spielt auf der Geige. Mozart glaubt, er fantasiere, doch das sich entwickelnde Gespräch ist sehr real. Er lässt sich darauf ein, so vieles muss endlich einmal gesagt werden…”

Dietmar Langberg

 
Mozart  Web  1
 

2005 – “Justus Jonas – Freund von Luther und Probst zu Wittenberg”, Eröffnung der “Alten Canzley Wittenberg”

 

2004 – “Chronik des Eisenmoorbades” von Klaus und Monika Linke

 

2003 – “Die Schachnovelle” von Stefan Zweig

 

2002 – “Eulenspiegeleien”, Texte aus dem “Eulenspiegel”

 
 
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